Günther Hannes - Waldverein/Sektion Lindberg-Falkenstein

Über den Verein: Wir alle, die wir den Bayerischen Wald schätzen und zu lieben gelernt haben, wollen ihn als lebenswerte Heimat mit all seinen Facetten erhalten wissen. Er ist nicht nur Natur mit vielfältigem Erscheinungsbild, er verkörpert vor allem auch besondere, nur diese Region betreffende, kulturelle Merkmale, die sich in Sprache, Musik und Gesang sowie in den Charaktereigenschaften seiner Bewohner ausdrücken lassen. Der Bayerische Wald-Verein hat sich deren Schutz, Förderung, Erhalt und Pflege auf die Fahne geschrieben und versucht, dieses Aufgabenfeld zusammen mit 61 Sektionen und 22.000 Mitgliedern zu meistern.

„Dein Ehrenamt braucht dich - Weiterhin“ – Halb noch in der Bürokluft, halb bereits im rot-blauen Dress ermutigen die Alltagshelden der gleichnamigen Kreisentwicklungskampagne Landkreisbürger*innen dazu, ihren Vereinen, Verbänden und Initiativen auch während der Pandemie treu zu bleiben. Wie der kreative Umgang der bürgerschaftlich Engagierten mit der Krise aussieht, welche persönlichen Geschichten sich hinter dem Begriff „Ehrenamt“ verbergen und welche Perspektiven sie sich wünschen, das möchte das Regionalmanagement der ARBERLAND REGio GmbH im Gespräch mit „Alltagshelden“ aus der Region erfahren.

Das Bild der Comic-Heroen wurde übrigens nicht ganz zufällig gewählt: „Für unsere Ehrenamtler*innen ist es selbstverständlich, sich unentgeltlich, ohne Glanz, Glorie und oft unbemerkt von der breiten Masse einzusetzen“, beschreibt Ehrenamts-Ansprechpartnerin Maria Schneider die Parallelen zu Superman und Co. Weil aber auch Helden einmal Unterstützung brauchen, haben die ARBERLAND REGio GmbH und das Landratsamt Regen vor fast genau zwei Jahren ein umfangreiches Beratungs- und Unterstützungsangebot für das bürgerschaftliche Engagement initiiert. „Seither stehen wir für Fragen rund ums Ehrenamt zur Verfügung, vernetzen, informieren und unterstützen mit der Wissenswerkstatt Ehrenamt durch ein kostenloses Vortragprogramm“, erläutert Regionalmanager Tobias Wittenzellner.

Hilfe in der Not, Begleitung in sozialen Einrichtungen, Bewahrung des gesellschaftlichen Miteinanders, Kulturförderung – die Liste des freiwilligen Engagements und der Menschen dahinter ist lang.

Die projektbegleitende Kurzumfrage „Ehrenamt im ARBERLAND in Zeiten von Corona“ hat hervorgebracht, wie der anhaltende Lockdown von heimischen Vereinsmitgliedern erlebt wird: Der Druck durch brachliegende Vereinstätigkeiten und fehlende Einnahmen steigt und die digitale Kommunikation ist für manche eher Problem als Lösung. Die wachsende Angst vor der Post-Pandemie und das Ausschauhalten nach einem Silberstreif am Horizont gehen Hand in Hand. Dennoch besteht Hoffnung auf eine Besserung der Situation. Man arbeitet mit ungebrochenem Durchhaltevermögen, Einfallsreichtum und Flexibilität. „Wir möchten die Geschichten einiger unserer Ehrenamtler*innen erzählen und damit auch andere motivieren, dabeizubleiben und ihr unschätzbares Wirken in der Gesellschaft in schweren Zeiten nicht aufzugeben“, erklärt Schneider.

„Die, die demotiviert auf der Couch sitzen, die reiß'ma jetzt wieder hoch!“

Den Anfang der Reihe macht Günther Hannes, 1. Vorsitzender des Waldvereins / Sektion Lindberg-Falkenstein, und Mitglied in 28 weiteren Vereinen der Region.

Vom Vereinshüttl in der Lindbergmühle aus hat man einen wunderbaren Blick auf den Hausberg Falkenstein, welchen die Sektion auch stolz im Namen trägt. Ein bisschen zugewachsen sei sie allerdings schon, die Aussicht, meint der 71-Jährige. Man merkt gleich: Das Pflegen von Wald, Wanderwegen und Ruheplätzen wird groß geschrieben in Lindberg. Eine direkte Expertise habe man sich beispielsweise bei der Bekämpfung des Japanischen Knöterichs erworben, der die heimische Flora am Regenufer verdrängt. Dann ist da aber noch das Thema Kultur, welches der Rentner seit seiner Tätigkeit für das frühere Fremdenverkehrsamt forciert.

Herr Hannes, wie sah das Vereinsleben 2020/2021 im Vergleich zu Nicht-Corona-Jahren aus bzw. welche Möglichkeiten gibt es, als Verein weiterhin aktiv zu bleiben?

„Den Eventkalender hat uns Covid-19 ganz schön verhagelt, das kann ich Ihnen sagen. Wir halten sonst über 50 Veranstaltungen im Jahr ab, organisatorische Zusammenkünfte gar nicht mit eingerechnet. Da wäre die Maiandacht zu nennen, der Oktoberrosenkranz, der stets von langer Hand geplante und mit den Musikant*innen einstudierte Arienabend am Großen Arber oder die Verleihung des „Lindberger Waldheimatpreises“. Der Umstand, dass viele unserer Aktivitäten an der frischen Luft stattfinden, hat bislang überraschend viele Wanderungen und Säuberungsaktionen möglich gemacht. Sogar zwei Ausschusssitzungen und die Jahreshauptversammlung ließen sich mit genügend großen Abständen auf dem Vereinsgelände realisieren. Wo persönliche Begegnungen rar geworden sind, halten wir den Kontakt zu unseren Mitgliedern durch das vierteljährlich erscheinende Vereinsheft, einen stets aktuellen Internetauftritt, Besuche bei runden Geburtstagen – auch, wenn momentan nur ich hingehen kann – und außerdem ganz, ganz, ganz viele aufbauende Gespräche, gemeinsame Ideensuche und Pläne. Überdies in ständigem Austausch stehen wir mit dem Forstamt, dem Landratsamt, dem Nationalpark und Naturpark Bayerischer Wald, aber auch mit unserem tschechischen Partnerverein. Vereinsarbeit ist kein Selbstläufer.“

Nur durch viel hartnäckiges Engagement lässt es sich vermutlich auch erklären, dass Ihre Sektion im Coronaherbst nach zwei Jahren des Mitgliederschwundes wieder ein tüchtiges Plus erzielen konnte. Wo kommt Ihr persönliches Engagement her?

„Ich war schon Vereinsmitglied, solange ich denken kann – als junger Fußballer oder  Feuerwehrler. Als ich nach Jahren bei der Bundeswehr und einer Bausparkasse in Augsburg 1985 wieder zurück in den Bayerischen Wald kam, wusste ich, wie sehr Städter es lieben, im Urlaub Landleben, Musik, Brauchtum und authentische Geselligkeit zu erleben. Mein Motto war daher: Kein Tag darf vergehen, an dem nicht wenigstens eine kulturelle Veranstaltung auf dem Gemeindegebiet stattfindet. Das war mir beruflich wichtig – und nach Gründung der Sektion auch privat bzw. als Vorstandsmitglied. Noch heute liebe ich es, wenn sich was rührt und bin begeistert, wie viel unser Nachwuchs auf die Beine stellt.“

Wie sehen Ihre Wünsche und Hoffnungen für die Vereinszukunft aus?

„Wir hoffen aktuell, wie wahrscheinlich jeder Bereich des öffentlichen und privaten Lebens, auf Lockerungen über die Sommermonate – nicht nur um Hinblick auf eventuelle Veranstaltungen.  Am meisten würde es mich tatsächlich für unsere Kinder- und Jugendgruppe unter Leitung von Sonja Steiner freuen, die bereits mit einem spannenden Programm in den Startlöchern steht. Ich mag gar nicht sagen, dass ich zu einem Zustand von vor drei Jahren zurück möchte, alles ändert sich. Wenn die Leute aber wieder mit ganz viel Energie, Einsatz und Stolz auf Ihren Verein aktiv mitgestalten könnten, würde mich das schon sehr glücklich machen. Gerne wende ich auch all meine Kraft auf, damit es so wird.“

 

Das Regionalmanagement-Projekt „Förderung des bürgerschaftlichen Engagements“ wird gefördert durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft, Landesentwicklung und Energie.